09-2013: Russland-Austausch

Realschüler besuchen Partnerschule im russischen Rshew

Am Montag, den 23. September morgens um 4 Uhr war es endlich so weit: 7 Schülerinnen und Schüler unserer Schule sowie Frau Block und Frau Tralle machten sich auf den Weg zu unserer Partnerschule in Rshew, der Mittelschule Nr. 12. Ein ganzes Jahr lang hatten die Planungen und Vorbereitungen gedauert und nun konnte es endlich losgehen. Die Reise führte uns von Spenge nach Düsseldorf, und von dort mit dem Flugzeug nach Moskau, wo wir von unseren Gastgebern mit einem Bulli abgeholt wurden. Über eine zehnspurige Straße ging es aus Moskau heraus Richtung Rshew. Leider wollten außer uns noch viele andere Menschen in diese Richtung, so dass wir uns in einem riesigen Stau befanden. So benötigten wir für die 200 km von Moskau nach Rshew doppelt so lange wie von Düsseldorf nach Moskau. Als wir endlich gegen 21 Uhr von den Gastfamilien in Empfang genommen wurden, waren alle ziemlich erschöpft. Anmerkung: Die Zeit in Moskau ist zwei Stunden weiter als bei uns.

Am nächsten Tag nahmen wir am Unterricht der Mittelschule Nr. 12 teil. Beim Betreten der Schule mussten wir zunächst einen Wächter passieren. Anschließend sahen wir über all im Treppenhaus und auf den Fluren Schüler mit Namensschildern stehen. Das war die Klasse, die gerade Ordnungsdienst hatte und die auch auf richtiges Verhalten in Treppenhaus und im Flur achten musste. Wir sahen Deutsch- Englisch und Geografiestunden. Besonders beeindruckend war für uns die Unterrichtsdisziplin: die Schüler standen für ihre Unterrichtsbeiträge auf und niemand redete oder störte den Unterricht. Außerdem waren alle Schüler sehr sorgfältig und fast schon festlich gekleidet: Die Jungen trugen Anzug mit Jackett und oft mit Krawatte, die Mädchen schicke Kleider oder Röcke. Die vorherrschenden Kleidungsfarben waren blau, grau, schwarz und weiß.
Ein Höhepunkt des Vormittags war sicherlich auch der Empfang bei der Schulleiterin, die uns an einem reich gedeckten Tisch empfing und uns herzlich willkommen hieß.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Schulkantine stand ein Besuch des Friedensparks auf dem Programm. Während des zweiten Weltkrieges, 1941/1942, fanden in und um Rshew heftige und grausame Kämpfe zwischen der deutschen Wehrmacht und der russischen Armee statt. Diese Kämpfe dauerten 15 Monate und kosteten schätzungsweise rund 2 Millionen Menschen, Soldaten beider Seiten und Zivilisten das Leben. Damit die Menschen aus der Geschichte lernen und damit so ein schrecklicher Krieg nicht wieder stattfindet, wurde in Rshew ein Friedenspark mit einem Museum und mit Denkmälern errichtet. Auch Soldatenfriedhöfe für die russischen und für die deutschen Gefallenen sind Bestandteil des Friedensparks. Jedes Jahr findet hier eine deutsch-russische Jugendbegegnung vom Bund deutscher Kriegsgräberfürsorge statt. Diesen Friedenspark haben wir am Nachmittag besucht und ein Schüler unserer Gruppe hat Blumen am Denkmal für die Gefallenen niedergelegt.
Im Anschluss daran gab es ein Treffen mit den russischen Teilnehmern des letzten Friedenscamps.
Im Anschluss konnten wir an einer Unterrichtsstunde teilnehmen, die es bei uns nicht gibt: Vorbereitung auf den Wehrdienst. Die Schüler, Jungen und Mädchen, erhalten Unterricht im Marschieren, sie lernen, wie man ein Maschinengewehr zerlegt, wie man eine ABC-Schutzausrüstung anlegt und auch, wie man mit einem Revolver schießt. Den Abschluss der Übung bildete der richtige Transport von Verletzten auf einer Tragbahre.

Auch am Mittwochmorgen stand Unterricht auf dem Programm. Wir waren im Deutschunterricht eingesetzt, wo wir den russischen Schülern helfen konnten. Auch an einer Chemiestunde durften wir teilnehmen. Nach dem Mittagessen ging es zum Heimatkundemuseum auf der anderen Seite der Wolga. Hier erhielten wir eine beeindruckende Schilderung der Kämpfe während des zweiten Weltkrieges. Wir waren alle sehr betroffen von der Grausamkeit des Krieges. Umso dankbarer waren wir für den bunt geschmückten Tisch, der uns im Folklorezentrum erwartete. Bei traditionellem Tee und Süßigkeiten erhielten wir eine Unterweisung in das bäuerliche Leben im alten Russland. Für uns besonders interessant zu erfahren: Schenkte ein Junge einem Mädchen eine Handvoll Nüsse, so galt das als Verlobung!

Am Donnerstag besichtigten wir das orthodoxe Männerkloster Stariza, wo wir prachtvolle orthodoxe Kirchen bestaunen konnten. Das Mittagessen im Refektorium, dem Speisesaal des Klosters, schmeckte allen vorzüglich. Am Nachmittag hatten wir Freizeit in der Stadt.

Der Freitagvormittag stand für uns im Zeichen einer Präsentation, die wir für den Nachmittag vorbereiten mussten. An diesem Nachmittag fand in der Aula eine Präsentation deutschsprachiger Theateraufführungen statt, die verschiedene Schulen der Stadt eingeübt hatten und die uns zu Ehren stattfand. So sahen wir „die kleine Hexe“, „Frau Holle“, „das Märchen von der Rübe“ sowie die „Bremer Stadtmusikanten“. Im Anschluss an diese Vorführungen berichteten wir anhand unserer Plakate von unserem Aufenthalt in Rshew.

Die Woche verging wie im Fluge und schon war Samstag. Am Vormittag besichtigten wir einen „Agrarmarkt“, der mit unserem Erntedankfest vergleichbar war: Zur Eröffnung wurden Reden gehalten und dann boten die Menschen aus der Region die Erträge ihrer Gärten und Ställe zum Verkauf an.

Der Nachmittag stand zur feien Verfügung. Am Abend hieß es früh zu Bett gehen, da wir am nächsten Morgen bereits um 4.30 Uhr die Heimreise antraten. Da wir so früh an waren, konnten wir in Moskau noch über den roten Platz spazieren und eine Wachablösung vor der ewigen Flamme beobachten. Dann fuhren wir zum Flughafen und dort hieß es Abschied nehmen von unseren Gastgebern. Schließlich kamen wir um zwanzig nach acht am Abend voller neuer Eindrücke in Herford an, wo wir von den Eltern in Empfang genommen wurden.

Wir haben in Rshew eine eindrucksvolle Woche mit vielen Einblicken in eine andere Kultur erlebt und waren begeistert von der herzlichen und gastfeundlichen Aufnahme durch unsere Gastgeber. Ein besonderer Dank gilt denjenigen, die diese Reise großzügig unterstützt haben: die Stiftung zur Förderung des deutsch-russischen Jugendaustauschs, das Kuratorium Rshew sowie der Förderverein der Realschule.