02-2016: 6a in Bustedt

Bedürftig sein – erleben

Am Donnerstag, den 04.02.2016 hat die Klasse 6a der Realschule Spenge gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern des Johannes-Falk-Haus das Biologiezentrum Gut Bustedt besucht. Bei dem Projekt ‚Gemeinsam für jeden einen Nistkästen bauen‘ konnte viel erlebt werden: Wie ist es Hilfe zu geben und Hilfe anzunehmen? Wie fühlt es sich an bedürftig zu sein?

Mit den Worten der Schülerinnen und Schülern, wollen wir Sie an diesem besonderen Erlebnis teilhaben lassen.

Zuerst „kam ein Mann, Herr Oestreich (Lehrer), der uns etwas erzählte über das Johannes-Falk-Haus und die Kinder“ (Fijona), eine Institution, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen mit einer geistigen Behinderung ein selbst bestimmtes Leben und soziale Integration zu ermöglichen. Das Haus „ist eine große Schule für behinderte und schwerbehinderte Leute. Diese Schule ist auf dem neusten Stand, von einem Pool bis zum Trampolin im Boden.“ Er erzählte, dass „die Jugendlichen verschiedene Krankheiten haben, zum Beispiel Epilepsie oder Autismus und dass manche nicht unterscheiden können, was in ihrer Welt und was in der echten Welt ist“ (Fijona). „Auch erklärte er uns, dass seine Schüler anders lernen, „um das Alphabet kennen zu lernen, brauchen sie ein ganzes Jahr“ (Fijona). „Die Kinder im Johannes-Falk-Haus leben anders und haben auch anderen Unterricht. Die Schule selbst ist ganz anders aufgebaut: Sie haben ein eigenes Schwimmbad und man muss klingeln, bevor die Tür geöffnet wird. In einer Klasse sind ca. 16 Kinder, mit unterschiedlichem Alter. Manche haben einen eigenen Betreuer, wie auch Herr X., der bei unserem Ausflug nach Bustedt dabei war“ (Nancy Eileen).

An dem Donnerstag „fuhren wir mit dem Bus um 8:15 Uhr los, um die Schüler mit der Betreuerin und die Lehrer abzuholen“ (Louis). „Im Bus haben wir zwischen uns immer einen Platz freigelassen, damit sich dort Schüler vom Falk-Haus hinsetzen konnten“ (Sevdi, Fynn). „Als wir in Gut Bustedt ankamen, wurden wir in gemischte Gruppen eingeteilt. In der Werkscheune konnten wir direkt mit dem Nistkastenbau beginnen. Als erstes mussten wir die Bodenplatte mit der Rückwand verleimen und festnageln. Danach wurden die Seitenwände ebenfalls verleimt und mit Nägeln festgemacht. Dann haben wir den unfertigen Kasten weggelegt und uns mit der „Tür“ befasst. Wir sollten eine dünne Holzleiste auf die Türplatte mit kleinen Nägeln befestigen. Diese „Anflugshilfe“ ist schnell fertig gewesen. Anschließend haben wir auf den Nistkasten das Dach genagelt“ (Adrian). Die Schülerinnen und Schüler haben so handwerklich geschickt gearbeitet, dass nur wenige Nägel ersetzt werden mussten. Um die fertigen Nistkästen wetterbeständig zu machen, wurden sie am Ende abgeflammt. „Ich habe beobachtet, dass die Schüler vom Falk-Haus gut am Projekt teilgenommen haben. Sie haben gut gearbeitet und haben jeden Nagel in das Holz geschlagen. Wir haben auf der anschließenden Wanderung viele neue Vogelarten kennengelernt, wie z.B.: Die Höhlenbrüter, die Nischenbrüter und die Freibrüter“ (Anneliese).

An diesem Projekttag war das Besondere, dass vor allem das Miteinander erlebt wurde, während geeignete Nisthilfen für Vögel entstanden sind.

„Wir waren sehr erstaunt, dass man einigen ihre Behinderung gar nicht ansehen konnte. … Ein Mädchen ist autistisch. Wenn wir ganz normal sprechen ist es für sie so, als wenn sie sehr viele (gleichlaute) Stimmen hören würde“ (Sophia, Merle). „Manchen Jugendlichen konnte man ihr Alter nicht ansehen. „Wenn es manchen zu laut wurde, schmissen sie sich hin, hielten ihre Ohren zu. „Manche waren sehr verspielt und liefen vor ’Jemandem‘ weg, weil sie dachten, dass wir fangen spielen würden“ (Louis). „Ein netter Junge mit Down Syndrom, war lustig und tat immer so als wäre er Avatar. Beim Frühstück, nach dem Nistkastenbau, war er sehr müde und schlief am Tisch ein. Herr Oestreich legte ihm die Hand auf den Rücken, damit er wusste das ’Jemand‘ bei ihm ist“ (Mariella).

Gemeinsam Bedürftigkeit erleben hat vor allem den Schülerinnen und Schülern der Realschule gezeigt, dass manchmal die Erwartungen nicht mit dem Erleben übereinstimmen. Die ersten Kontaktängste haben sich in ein gegenseitiges Helfen umgewandelt. Die Erlebnisse von diesem Tag bleiben in sehr guter Erinnerung und wir bedanken uns bei allen, die an der Gestaltung dieses Projektes teilgenommen haben.

Im April lädt die 6a ihre Partnerklasse zu einem Schulerlebnistag nach Spenge ein.
E. Harting