Geschichte

Geschichte der Realschule Spenge

Aus der Festschrift von 1987

_geschichte-logo_altLiest man die Protokolle, so findet man schwerlich eine Begründung für das Tun der Entscheidungsträger. Sowohl 1962 im Rat der Gemeinde Spenge als auch 10 Jahre früher bei der Gründung des Aufbauzuges stehen bildungspolitische Argumente im Hintergrund.

So heißt es in den Aufzeichnungen des Schulvorstandes vom 7.12.1951 unter TOP 3 – Aufbauzug an der Volksschule:
Der Schulvorstand nahm zustimmend davon Kenntnis, dass der Aufbauzug der Volksschule am 1.4.1952 eingerichtet werden soll.

Mit 4 Stimmen bei 1 Gegenstimme schlägt der Schulausschuss der Gemeindevertretung vor, dass von den Schulkindern der auswärtigen Gemeinden 10,- DM und von den Schulkindern der Gemeinde Spenge 6,- DM pro Monat erhoben werden soll.

Der Gemeinderat übernahm den Beschluss am 18.12.1951:
durch den Aufbauzug entsteht der Gemeinde zunächst für eine Mehrstelle eine Mehrausgabe von rd. 5.000,- DM. Es soll daher ein Schulgeld erhoben werden… (10:1)

Die Gemeindevertreter wussten, dass sie ein kostenträchtiges Unternehmen starten würden, bedeutete dies doch eine Schulzeitverlängerung von zwei Jahren für eine ganze Anzahl von Kindern und dazu, was wichtiger war, die Aufnahme von Schülern aus den umliegenden Gemeinden bis hin nach Enger. Die amtsangehörigen Gemeinden verhielten sich still, wohl weil sie befürchteten, den absehbaren Schulneubau mitfinanzieren zu sollen. Der Schulbau ist dann auch bis ins Jahr 1961 das bestimmende Thema gewesen.

Eine pädagogische Diskussion muss es auch gegeben haben. Immer fanden sich engagierte Lehrer, die mehr für die ihnen anvertrauten Kinder tun wollten, als ihre Dienstpflicht gebot. Wer sich erinnern kann, der weiß, dass vor dieser Zeit die begabteren Kinder weite Wege in Kauf nehmen mussten, wollten sie eine bessere Bildung und Ausbildung bekommen. Häufig bedeutete dies sogar Unterbringung bei einer Gastfamilie. Der Übergang in ein Gymnasium wurde also möglichst lange hinausgeschoben.

Indessen mühte man sich auch in Spenge, den Kindern in so genannten Vorbereitungsklassen den späteren Wechsel zu erleichtern. Das hier bereits zwischen den Weltkriegen geübte Verfahren wurde in den 50er Jahren besonders von Otto Krah aufgenommen und in eine Schulform, den Aufbauzug, gebracht. Dies geschah wie so häufig gegen den Widerstand von Kollegen. Jedenfalls kam die Sache ins Rollen, Krah wurde Klassenlehrer des 1. Aufbaujahrgangs (von 56 zur Prüfung gemeldeten Schülern bestanden 48), und 4 Jahre später legten 32 Jungen und Mädchen – zum ersten Mal an einer Spenger Schule – die „Mittlere Reife“ ab. Die Lehrer dieses Jahrganges waren neben Krah der damalige Volksschulrektor Karl Mönkemöller und die Lehrer Dietrich, Niewöhner, Keßner, Schulte und Lehmann.

Schon im 2. Jahr kamen Herr Lablack und Frau Bachmann hinzu, später Frau Koop und Herr Grannemann. Weitere Unterrichtende am Aufbauzug waren in der Reihenfolge, wie sie Klassenleitungen übernahmen, Herr Meiring (1955), Herr Büscher (1956), Frau Schröder (1957), Herr Neumann (1958) und Herr Buddenberg (1960). Ende des Schuljahres 1955/56 ging Rektor Mönkemöller nach Hahlen und als neuer Rektor wurde Herr Erwin Winter eingesetzt, als dessen Werk die Überführung des Aufbauzuges in eine grundständige Realschule angesehen werden kann.

Ein wie auch immer gearteter Gründungsbeschluss für die Realschule ist nicht auffindbar. Im Bewusstsein der damaligen Gemeindevertreter muss sich die Entwicklung als notwendige Konsequenz aus dem bisherigen ergeben haben. Die Schule hatte schon einen 5. Jahrgang aufgenommen, da teilte Gemeindedirektor Roberz am 24.10.1962 unter TOP 7g) der Gemeindevertretung mit, dass laut Verfügung vom 16.10.62 die Genehmigung für eine Realschule und die Eingliederung des Aufbauzuges erteilt sei. Alles andere war nur noch eine Frage der Zeit. Schulleiter wurde selbstverständlich und ohne Ausschreibung Herr Winter, sein Stellvertreter Herr Meiring, und zwar einstimmig. Im Mittelpunkt der Diskussion steht dann wieder für Jahre der Schulbau. Der Gemeindevertreter und Schulausschussvorsitzende berichtet 1962: „…die Regierung gibt dem Bau einer Realschule den Vorzug vor einer 2. Volksschule.“

Von 1965 bis zur Grundsteinlegung am 25.11.1967 wird hin und her argumentiert. Architektenwettbewerb? Entscheidung: „Nein!

Standortfrage: Freibad oder Zentrum? Man lässt am Freibad bohren und findet – wie gewünscht!? – den hinderlichen Treibsand. Die Schule kommt in den Ortskern, und aus der Rückschau stellt sich die Entscheidung sogar als goldrichtig heraus.

Kosten und Zuschüsse? Kein Problem! Lenzinghausen, Bardüttingdorf, Wallenbrück und Hücker halten sich wieder zurück. Die Kerngemeinde Spenge finanziert schließlich, auch wegen der Bezuschussungsrichtlinien des Landes, alleine.

Indessen wächst die Schule und platzt aus allen Nähten:
Vier Klassenräume fehlen, Schichtunterricht ist die Folge. Lehrer fehlen, viele helfen aus: der Apotheker, der Drogist, der Organist und die Pfarrer, vor allem die katholischen – kaum einer, der nicht an der Realschule Dienst getan hätte. Im Januar 1968 bekommt der Schulleiter eine Sekretärin. Es ist Frau Niermann, die fast 2o Jahre lang der Schulleitung zur Hand gegangen ist.

Im Februar 1968, noch vor der Auftragsvergabe für den 2. Bauabschnitt, wird Rudolf Döring Hausmeister, ein Amt, das er noch heute (1986!) wahrnimmt.

Über die Einrichtung der naturwissenschaftlichen Räume werden Konferenzen abgehalten und Gäste zum Vortrag (Dir. Böcke aus Löhne) geholt. Eine Schulordnung wird entwickelt, und dann kann am 19. Oktober 1968 der 1. Bauabschnitt eingeweiht werden – keine große Sache, die Schule ist ja noch nicht fertig. Die richtige Einweihung wird später, am 22. April 1972, in der Großturnhalle gefeiert, mit Reden, Lied- und Gedichtvortrag und vor allem mit viel Sport, Gesellschaftstanz und Militärmusik. Zwei Tage dauert das Fest, dann kehrt der Alltag wieder ein.

Der Alltag heißt überfüllte Klassen und zu wenige Lehrer trotz des Neubaus. Die Schule wächst schneller als gedacht. Konzipiert als zweizügige Realschule, ist sie bereits bei der Einweihung zu klein. Das alte evangelische Gemeindehaus wird einige Jahre mitbenutzt. Fachräume werden als Klassenräume eingerichtet, Lehrmaterial muss in den Fluren gelagert werden, damit Klassenraum gewonnen wird. Wanderklassen gehören bis in die 80er Jahre hinein zum alltäglichen Bild.

Ebenso wächst der Lehrermangel: Der stellvertretende Schulleiter Meiring, im Juli 1969 pensioniert, erklärt seine Bereitschaft, im Stundenauftrag weiter Dienst zu tun, und bleibt bis zum Juli 1972 der Schule als Aktiver verbunden. Sein Nachfolger im Amt wird Gerhard Lablack, der dienstälteste Lehrer am System.

Mit Schuldirektor Winters Pensionierung verlassen im Juli 1972 eine Reihe von Kollegen die Schule, andere treten an ihre Stelle.

Friedel Husemann, bekannt als Fachberater für Sport beim Regierungspräsidenten und früher bereits Leiter einer privaten Realschule, wurde zum Nachfolger Winters gewählt und begann mit viel Engagement seine Spenger Laufbahn. Die Ära Husemann ist geprägt durch eine Vielzahl von Veränderungen in der Schullandschaft. Mit ihm arbeitete ein schnell wachsendes, junges, leistungsorientiertes und kritisches Kollegium zusammen. Schülerschaft und Eltern entwickelten ein verändertes Bewusstsein und erhielten Rechte, die sie nutzen wollten. Sie waren bereit, sich für die Schule zu engagieren und damit ihren Kindern zu helfen. Die Gründung der Fördergemeinschaft – bereits 1973 – ist ein Zeichen dafür. In diese Zeit fällt auch der Aufbau einer Mediothek, d.h., es werden Haushaltsmittel bereitgestellt, um verschiedenartige Filmgeräte, moderne Diaprojektoren, Tageslichtschreiber, Plattenspieler, Tonbandgeräte und Kassettenrecorder für den regelmäßigen Einsatz im Unterricht anzuschaffen, die bald durch Videogeräte ergänzt werden. Die Schuldruckerei, durch welche die Effizienz des Unterrichts weiterhin gesteigert wird, hat sich in diesen Jahren derart ausgeweitet, dass sie zu einem wichtigen Aufgabenbereich des Haus­meisters wurde. Ein Sprachlabor wird 1972 eingerichtet, dazumal ein kleine Sensation auf dem Mediensektor. Zusammen mit der Arbeitsverwaltung werden berufskundliche Informationsveranstaltungen organisiert, die bald auf die 9. Klassen ausgeweitet und intensiviert werden. Die Aktivitäten münden in die Durchführung eines mehrwöchigen Betriebspraktikums ab 1986. Ebenfalls seit 1972 gibt es eine Arbeitsgemeinschaft Rechtskunde, in der Schüler des Abschlussjahrgangs die Grundbegriffe des Bürgerlichen Gesetzbuches kennen lernen.

Gegenstand weitgehender Diskussionen an der Schule war seit 1973 die Neigungsdifferenzierung der Jahrgänge 9 und 10, bei deren Einführung uns die Kollegen aus Jöllenbeck mit Rat zur Seite standen. Seither hat es an der Realschule Spenge ein vielfältiges Angebot an Kursen und Arbeitsgemeinschaften gegeben. Der Schwerpunkt liegt – für eine Realschule nicht verwunderlich – im naturwissenschaftlichen Bereich, die Fremdsprachler bringen traditionell recht gute Leistungen, die sozialwissenschaftliche Richtung gewinnt zusehends an Bedeutung.
Elternarbeit wurde in den ersten Jahren besonders groß geschrieben. Auf Anregung der Schule liefen auf verschiedenen Ebenen Vorträge und Gesprächsreihen zu Erziehungsfragen. Eine Schulgemeindeversammlung am 22.6.1975 zum Thema Hausaufgaben war einer der Höhepunkte.

Im Februar 1976 wurde die Fünftagewoche im 14-tägigen Rhythmus eingeführt, eine Regelung, die bis heute Bestand hat.

Anfang 1977 wird an der Schule ein Förderkurs für LRS-Schüler eingerichtet, nachdem ein Kollege sich hat entsprechend ausbilden lassen.

Ab 1977 wird das Schulzentrum vervollständigt.

Zu Beginn des Schuljahres 1978/79 tritt das Schulmitwirkungsgesetz in Kraft, ohne dass davon sofort neue positive Impulse ausgegangen wären.

Andere Probleme rücken auch für die Schulgemeinschaft in den Vordergrund. Es sind dies zunächst Umweltfragen. Die Schule beteiligt sich mit einer Projektgruppe am Spenger Umwelttag. Später, im Jahre 1986, findet im April eine groß angelegte Umweltwoche statt, zu der die Fachgruppe Chemie eine viel beachtete Dokumentation über Schäden in Spenger Wäldern vorlegt und auch Wege zur Schadensbegrenzung aufzeigt, die von der politischen Ebene aufgenommen und teilweise realisiert wurden.

Die Schule kann auch nicht mehr an Fragen vorbeigehen, die mit dem Rauschmittelkonsum zusammenhängen. Das jedoch mehr als mobilisierter Teil der Gesellschaft, der Hilfestellung geben will, weil er mit Jugendlichen zu tun hat. Es werden 1982 Konzepte zur Drogenberatung erörtert, ein Beratungslehrer wird eingesetzt.

Seit 1984 rücken moderne Informationstechnologien in den Blickpunkt des Schullebens: Informatik als Mathematik-Wissenschaft wird im Wahlpflichtbereich angeboten. Der Großteil der Gelder für die Anschaffung der notwendigen Schülerarbeitsplätze kommt aus Mitteln des Fördervereins. Die Schule und die Stadt werden mit dem Fachbereich auch in Zukunft befasst bleiben.

Auf musisch-künstlerischem Gebiet, lange Zeit ein Stiefkind, ist eine Intensivierung der Arbeit Ziel der letzten Jahre gewesen. Bemühungen auf dem Feld schulischer Chorarbeit zeigen zunehmend Erfolge. Die Schule kann inzwischen ihre Feiern mit mehreren Chorgruppen und Musizierkreisen gestalten und erreicht dabei ein beachtliches Niveau. Erste zaghafte Versuche wurden bei Weihnachtsfeiern – auch bei Vereinen außerhalb der Schule – unternommen, dabei Erfahrungen gesammelt und in neue Aktionen umgesetzt. Der Kunst- und Textilbereich hat bereits mehrere Ausstellungen inner- und außerhalb der Schule gestaltet und dabei viel Lob erhalten. Auf dem eingeschlagenen Wege wird weiterzuschreiten sein.

Das Jahr 1987 markiert als das 25. Realschuljahr (gar das 35., wenn die Jahre des Aufbauzuges dazugerechnet werden) kein Ende, aber einen in kleinen Schritten eingeleiteten Neubeginn. Mit dem Kollegen Lablack (im August 1985) und dem Kollegen Husemann (im Januar 1987) hat sich ein Generationswechsel in der Schulleitung vollzogen. Mit Uwe Grintz und Achim Körbitz leiten zwei Lehrer der Nachkriegsgeneration die Spenger Realschule. Sie sehen sich, unabhängig von dienstrechtlichen Pflichten und Rechten hauptsächlich als hilfreiche Hände, Organisatoren und Initiatoren, die einen kooperativen Leitungsstil bevorzugen.

Die Erziehungsgemeinschaft, bestehend aus Eltern, Lehrern und Kindern, zu stärken und positiv zu entwickeln, ist das Ziel der kommenden Jahre.